Weitere Solidaritätsbekundungen – Matriarchatsforscherinnen richten offene Briefe an Universitätsleitung

Nachdem es im Rahmen einer beispiellosen Solidarisierungswelle in den letzten Tagen und Wochen weltweit zu Unterstützungserklärungen für Prof. Claudia von Werlhof gekommen ist, melden sich nun die Begründerin der Modernen Matriarchatsforschung und Leiterin der Internationalen Akademie HAGIA Heide Göttner-Abendroth sowie die feministische Theologin Christa Mulack zu Wort. In offenen Briefen an die Universitätsleitung fordern Sie diese auf, im „Fall Werlhof“ für Klarheit zu sorgen. Diese sieht sich seit Mitte Februar mit einer undurchsichtigen Diffamierungskampagne seitens österreichischer Medien konfrontiert.

Das Forschungsinstitut für Patriarchatskritik stellt die offenen Briefe als PDF-Download zur Verfügung:

1) Offener Brief von Dr. Heide Göttner-Abendroth:

Sehr geehrter Herr Prof. Töchterle,

Obwohl bei der letzten Tagung zur „Kritischen Patriarchatstheorie“ in Innsbruck angedeutet, haben wir erst jetzt von dem vollen Ausmaß der Denunziationskampagne gegen Frau Prof. Claudia von Werlhof erfahren, die an Ihrer Universität, im Internet und in der österreichischen Presse stattfindet.
Darüber sind wir äußerst bestürzt und fragen uns, wie dies nach mehr als 21 Jahren verdienstvoller Arbeit von Frau Prof. von Werlhof an der Universität Innsbruck möglich ist.

Der Grund für die Vorwürfe ist, dass Frau von Werlhof ein Interview im STANDARD gegeben hat, bei dem sie die Vermutung geäußert hat, das Erbeben in Haiti könnte durch militärische Manipulation vonseiten der USA verursacht worden sein.

– Dies ist erstens eine persönliche Meinungsäußerung und keine wissenschaftliche Feststellung, die jedem Menschen in einer Demokratie zusteht.
– Zweitens möchten wir darauf hinweisen, dass es eine internationale Diskussion zu diesem Thema: militärisches HAARP-Programm der USA, gibt, die in Österreich noch nicht angekommen zu sein scheint.
– Drittens ist uns unerfindlich, wieso ein persönliches Statement zu derartigen ehrabschneidenden Attacken in der Universität Innsbruck und der österreichischen Öffentlichkeit führen kann.

Wir können aus alledem nur schließen, dass die Gründe tiefer liegen, nämlich in der kritisch-theoretischen Arbeit, in der Frau von Werlhof eine gegenwärtig unübertroffene Analyse des kapitalistischen Patriarchats während ihrer gesamten wissenschaftlichen Laufbahn erarbeitet hat und öffentlich vertritt.

Wenn dies der wahre Grund für eine derartige Denunziationskampagne in Österreich ist, so möchten wir daran erinnern, dass theoretische und wissenschaftliche Arbeit auch eine ethische Aufgabe hat, nämlich gesellschaftliche Missverhältnisse aufzudecken, zu analysieren und damit den Boden für politische Lösungsmöglichkeiten zu bereiten. Diese Aufklärungsarbeit ist unbequem, aber notwendig.
Frau von Werlhof leistet sie in hohem Maße und ist dafür international bekannt und anerkannt.

In diesem Sinne, dass Wissenschaft aufgefordert ist, nicht nur affirmativ, sondern auch kritisch mit gegebenen Verhältnissen umzugehen, bitten wir Sie dringend, diesem denunzierenden Vorgehen entgegenzutreten und Frau von Werlhof öffentlich zu rehabilitieren. Sie schützen damit nicht nur ein Mitglied Ihrer Universität, sondern auch das Ansehen der Universität Innsbruck selbst, sowie der Wissenschaft als einer freien Stimme in der Gesellschaft.

In der Hoffnung, dass dieser untragbaren Situation bald ein Ende bereitet wird, grüßen wir Sie achtungsvoll.

Dr. Heide Göttner-Abendroth
(Leiterin der Akademie HAGIA)


Brief downloaden: [PDF GÖTTNER-ABENDROTH]

2) Offener Brief von Dr. Christa Mulack:

Sehr geehrter Herr Prof. Töchterle,

zutiefst betroffen und erschreckt über den Geist, der sich im Umfeld Ihrer Universität breitgemacht hat, nur weil Frau Prof. von Werlhof in einem Zeitungsinterview auf wissenschaftlich längst bekannte und belegte Auslösungsmöglichkeiten von Erdbeben hingewiesen hat, möchte ich Sie bitten, endlich Ihrer Fürsorgepflicht nachzukommen und sich schützend vor eine Ihrer international anerkannten Forscherinnen zu stellen, und zwar so, wie Sie es mit Sicherheit auch für einen Forscher Ihrer Universität tun würden – vielleicht sogar in der Vergangenheit bereits getan haben.

Es kann doch nicht sein, dass Sie tatenlos zusehen, wie in Ihrem Land geistige Scheiterhaufen errichtet werden, auf denen eine renommierte Wissenschaftlerin „verheizt“ wird. Wenn Sie wirklich daran interessiert sind, Schaden von Ihrer Universität abzuwenden, dann ist es höchste Zeit, dass Sie Ihre Mitarbeiterin gegen dermaßen haltlose Anwürfe endlich in angemessener Form verteidigen.

Ich bitte um Hinweise bzw. Mitteilung, welche Schritte sie in dieser Angelegenheit eingeleitet haben und mit welchem Erfolg bzw. mit welchen Reaktionen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christa Mulack
Theologin, Erziehungswissenschaftlerin, Publizistin


Brief downloaden: [PDF MULACK]

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